Portrait- und Hochzeitsfotograf aus Hamburg
Nov 01

Masterclass bei Steffen „Stilpirat“ Böttcher

Ein Jahr ist es nun her. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen spät dran. Aber irgendwie habe ich gerade das Gefühl, endlich in der Lage zu sein, ein passendes Review zu schreiben. Es ist 2015, es ist Oktober, draußen fällt ein leichter Nieselregen aus dem schwedischen Herbsthimmel und aus meinen Kopfhörern erklingt ein leises „River flows in you“. Ja, jetzt ist es richtig.

Aber worum geht es denn überhaupt? Vor einiger Zeit, genauer gesagt im September 2014, hatte ich das Vergnügen und vor allem die große Ehre, einen Workshop beim bekannten Buchholzer Fotografen Steffen Böttcher (Deckname „Stilpirat“) zu besuchen. Seine Masterclass. Wieso Masterclass? Das hat mehrere Gründe. Einen hat es auf jeden Fall nicht: man muss kein Meister sein, um teilzunehmen. Womit ich auch schon direkt in die Quintessenz seines Workshops springe. Die Masterclass ist wohl der Fotografieworkshop, in dem es mit Abstand am wenigsten um die Fotografie selbst geht. Vielmehr geht es um mich. Also oder um dich, wenn du dich ebenfalls nach Buchholz begibst.

Wer bin ich? Was bin ich? Was mache ich? Und wieso mache ich es so, wie ich es mache? Innerhalb von zwei Tagen schwadroniert sich Steffen durch die menschliche Psyche, Motivationstheorien, Kreativitätstechniken, Hindernisüberwindung, Selbstpräsentation und, zu guter letzt, auch ein kleines bisschen Fotografie.

Ich möchte jetzt gar nicht groß berichten, womit wir uns im Laufe der zwei Tage im schönen Heidestudio genau beschäftigt haben, oder wie (unglaublich gut) die Bewirtung durch Steffens wunderbare Frau Christina war. Wen dies interessiert, der findet bei Google eine Vielzahl an Nachberichten, die dies deutlich besser beschreiben, als ich es kann.

Ich möchte viel lieber darauf eingehen, was ich aus diesen Tagen für Lehren gezogen habe. Als erstes zu nennen wäre hier: setze dir Ziele, und verfolge sie ohne wenn und aber. Als gäbe es kein morgen und vor allem kein Scheitern. Mach dich frei von Ängsten und negativen Gedanken und probiere es einfach. Und wenn es scheitert? Neustart. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber der einzige Weg ist, es zu versuchen. Jeden Tag. Immer wieder.

Die zweite, für mich essenzielle Botschaft war, der Welt etwas zu geben. Sei freundlich, sei offen, eröffne deinem Umfeld Chancen. Und irgendwann wird der Tag kommen, an dem du eine Chance benötigst, und irgendjemand wird da sein, um sie dir zu gewähren. Das Leben ist so viel schöner, wenn man anderen Menschen Freude bereiten kann. Als Hochzeitsfotograf habe ich das besondere Glück, dass ich nicht nur einen ganzen Tag inmitten glücklicher, verliebter Menschen verbringen darf, nein ich bin im Anschluss sogar in der Lage, zwei lieb gewonnenen Menschen Erinnerungen an diesen Tag zu schenken, die sie dann mit ihren Liebsten teilen können. Das ist Glück in seiner Urgestalt.

Zu guter letzt habe ich noch mitgenommen, immer hungrig zu bleiben. Sich niemals auf dem Erreichten auszuruhen, sondern sich konstant zu hinterfragen. Es gibt immer jemanden, der besser ist als man selbst, von dem man lernen kann, von dem man sich inspirieren lassen kann. Und irgendwann kommt der Tag, wo man seinem großen Idol gegenüber sitzt und feststellt, dass man auf Augenhöhe agiert. Und dann? Dann wartet das nächste Idol, die nächste Aufgabe.

Lieber Steffen, danke! Danke, für zwei intensive und lehrreiche Tage rund um die Fotografie. Danke, für unglaubliche viele Denkanstöße, von denen ich hier nur einen Bruchteil niederschreiben konnte. Und danke, dass du mir diese Chance gegeben hast. Vielleicht kommt ja irgendwann der Tag, an dem ich dir etwas zurückgeben kann.

haukesteffen_stilpirat_masterclass-001

Das hier ist tatsächlich das einzige Bild, dass ich im Laufe des gesamten Workshops geschossen habe. Ich liebe es. Es erzählt mir eine sehr, sehr lange Geschichte, die ich nicht missen möchte…

Über den Autor:


2 Kommentare:

  1. Hauke Jürgens
    November 13, 2015
    Antworten

    Moin,
    schöner Bericht, der sich von vielen anderen unterscheidet, weil er weniger (bzw fast gar nicht) den Ablauf beschreibt, sondern darauf eingeht, was du mitgenommen hast. Interessant wäre jetzt noch, zu wissen, was sich in dem letzten Jahr dann bei dir durch den Workshop geändert hat. Arbeitest du anders? Gehst du anders an die Fotografie ran? Oder beschränkt sich das Mitgenommene auf die Metaebene?

    Gruß Hauke

    • Hauke
      November 13, 2015
      Antworten

      Moin,

      Danke für das Lob. In der Tat hat sich meine fotografische Arbeit seitdem enorm verändert.

      Einer der Tips, die Steffen mir. Ist auf den Weg gegeben hat, war Planung. Jedes Shooting, auch wenn es noch so spontan aussieht, ist am Ende geplant. Mach dir ein Bild davon, welche Location du besuchst, was für ein Typ dein Modell ist und wie du sie oder ihn in Szene setzen möchtest. Und was ist deine Idee? Wie kannst du diese realisieren?

      Und dann ist da vor allem das hinterfragen. Seitdem mir dieser Drang der Weiterentwicklung mitgegeben wurde, habe ich quasi ständig das Gefühl, irgendwo festzustecken und wieder etwas Neues zu finden, dem ich nacheifern will. Sei es Bildlook, sei es ein Shootingstil oder oder oder. Ich versuche einfach, nicht stehen zu bleiben, sondern immer mehr Inspiration aufzunehmen.

      Ich glaube, das fasst es ganz gut zusammen. 🙂


Hinterlasse einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.